Interview mit Henrik A. Schunk, Geschäftsführender Gesellschafter, SCHUNK GmbH & Co. KG

„Wir sehen im Bereich Life Science ein erhebliches Potenzial“

Das Unternehmen SCHUNK aus Lauffen/Neckar ist Weltmarktführer für Greifsysteme und Spanntechnik und begreift die Industrie 4.0 und die Elektromobilität als große Wachstumsfelder. Life Science ist nach Meinung des innovativen Familienunternehmens eines der prägenden Themen für die Gesellschaft der Zukunft. Im Interview spricht CEO Henrik A. Schunk über die Entwicklung des ersten roboterassistierten dentalen Operationssystem mit FDA-Zulassung, die Einsatzmöglichkeiten für Service Roboter in sozialen Bereichen sowie den Vortrag des Unternehmens auf dem Life Science Kongress in Heilbronn.

5-Fingerhand SVH©SCHUNKDie SCHUNK SVH 5-Fingerhand ist der weltweit erste von der DGUV zertifizierte Greifer für den kollaborativen Betrieb.

Herr Schunk, Ihr Unternehmen ist Weltmarktführer für Greifsysteme und Spanntechnik. Welche Bedeutung hat das Thema Life Science für Ihr Unternehmen?

Henrik A. Schunk: Neben der Industrie 4.0 und der Elektromobilität sehen wir im Bereich Life Science ein drittes großes Wachstumsfeld mit erheblichem Potenzial. Vor allem im Rahmen der „SCHUNK Expert Days on Service Robotics“, der weltweit führenden Kommunikationsplattform für die angewandte Servicerobotik, geben wir seit Jahren wichtige Impulse für den Einsatz robotergestützter Assistenzsysteme in Medizintechnik und Pflege. Unsere hochpräzisen Greifsysteme und Spannmittel kommen bei der Fertigung von Implantaten, aber auch in der Laborautomation sowie bei der Produktion von Heil- und Hilfsmitteln zum Einsatz. Inhalatoren und Kanülen werden mithilfe von SCHUNK Komponenten ebenso gefertigt wie Knie- oder Zahnimplantate.

Entwicklung©SCHUNKSCHUNK arbeitet intensiv an Robotik-Komponenten, die sich im unmittelbaren Umfeld des Menschen einsetzen lassen.

In Kooperation mit dem US-Medtech-Unternehmen Neocis haben Sie das erste roboterassistierte dentale Operationssystem entwickelt, das eine FDA-Zulassung erhalten hat. Welche technische Herausforderung steht dahinter und welches Potenzial sehen Sie in solchen Systemen?

Henrik A. Schunk: Der FDA-zugelassene Serviceroboter YOMI von Neocis arbeitet mit servoelektrischen Antriebskomponenten von SCHUNK. Anhand von zuvor erfassten 3D-Daten des Patienten unterstützt er den Zahnarzt beim Setzen von Zahnimplantaten, das heißt er fungiert als reines Assistenzsystem. Herausforderungen sind die Verknüpfung der digitalen mit der realen Welt, das Hygienic Design, aber auch das Vertrauen sowohl der Anwender als auch der Patienten in die sichere Funktion derartiger Systeme. Das Zusammenspiel von Mensch und Roboter auf engstem Raum erfordert eine intelligente Sensorik, eine sichere und zuverlässige Steuerung und Software sowie eine verlässliche Kommunikation. Gerade robotergestützte Assistenzsysteme, die vom Operateur wie ein intelligentes Werkzeug genutzt werden, versprechen große Potenziale, da der Arzt stets die volle Kontrolle über das Geschehen behält, zugleich aber von den Möglichkeiten der Technologie profitiert. Derartige Assistenzsysteme bieten sowohl bei langwierigen als auch bei hochpräzisen Operationen eine wertvolle Unterstützung.

Welche Einsatzmöglichkeiten sehen Sie mittelfristig für Service Roboter in sozialen Bereichen wie Altenpflege oder im Haushalt? Welche Rolle werden diese künftig spielen?

Henrik A. Schunk: Saugroboter und Rasenmäherroboter lassen bereits ahnen, welche Potenziale in Breitenanwendungen bestehen. Wir gehen davon aus, dass Roboter in der Pflege und im Haushalt überall dort zum Einsatz kommen werden, wo sie den Menschen von zeitaufwändigen Routineaufgaben entlasten. Dazu zählt der Hol- und Bringservice ebenso wie beispielsweise die regelmäßige Versorgung von Senioren mit Getränken. Im häuslichen Bereich erhöhen Serviceroboter die Autonomie und damit die Lebensqualität von Menschen mit Behinderung sowie von älteren Menschen, deren Beweglichkeit eingeschränkt ist.

Welche Themen werden Sie auf dem Life Science Kongress in Heilbronn präsentieren?

Henrik A. Schunk: Als weltweiter Kompetenzführer für Greifsysteme und Spanntechnik wird SCHUNK vor allem auf die zukünftigen Anforderungen an die Greifsysteme der Zukunft für die Life Science Anwendungen eingehen. Wir sehen dabei unter anderem die aufkommende Service- und Assistenzrobotik als ein treibendes Element und werden dies mit der Präsentation von herausragenden Konzepten aus diesen Feldern plausibilisieren. Ergänzt wird dies durch die Vorstellung hochpräziser Spannmittel beispielsweise für die Fertigung von Implantaten.

Warum sollte man Ihrer Meinung nach unbedingt am Life Science Kongress 2018 teilnehmen?

Henrik A. Schunk: Der Life Science Kongress ist eine exzellente Plattform, um die Player im Bereich Life Science miteinander zu vernetzen, Impulse für neue Anwendungen zu erhalten und Erkenntnisse aus realisierten Projekten auszutauschen. Er stärkt sowohl die teilnehmenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen als auch die Region als Ganzes.


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