Evotec ist ein Wirkstoffforschungs- und -entwicklungsunternehmen, das in Forschungsallianzen und Entwicklungspartnerschaften mit führenden Pharma- und Biotechnologieunternehmen, akademischen Einrichtungen, Patientenorganisationen und Risikokapitalgesellschaften innovative Ansätze zur Entwicklung neuer pharmazeutischer Produkte zügig vorantreibt. Evotec ist weltweit tätig, beschäftigt hochkarätige Experten aus der Wissenschaft und verfügt über modernste Technologien sowie ausgewiesene Expertise in den therapeutischen Kernbereichen Neurowissenschaften, Schmerz, Stoffwechselerkrankungen, Krebs, Entzündungskrankheiten und Infektionskrankheiten.

Ute Nonnenmacher: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell im Management eines Biotechnologie-Unternehmens?

Dr. Werner Lanthaler: Drei große Blöcke. Das erste ist strategische Ausrichtung entweder als Produktentwickler oder Serviceentwickler oder selbst Provider in unserer Industrie. Zweiter Themenblock sind Finanzierungsstrategien im Sinne von privaten Finanzierungen oder öffentlichen Finanzierungen und der dritte Punkt ist Talentmanagement im Sinne von Talentrekrutierung in Europa und USA.

Ute Nonnenmacher: Welches sind aktuell die zentralen externen Faktoren, mit denen Sie sich als Vorstand der Evotec AG befassen? Wie gehen Sie mit diesen konkret um?

Dr. Werner Lanthaler: Bei den drei Blöcken ist es für uns eigentlich sehr klar, dass wir im ersten Bereich eine Hybridstrategie als eines der Innovationsunternehmen im Drug Discovery-Bereich aufgebaut haben. Einerseits bieten wir Drug Discovery-Unternehmen unsere Forschungsdienstleistungen an, andererseits finanzieren wir im Drug Discovery-Bereich Projekte bis zum Eintritt zur Klinik aus eigenen Forschungsmitteln selbst. Die Profite aus dem Servicebereich unseres Unternehmens dienen zur Finanzierung für unsere Innovationsprojekte. Im Finanzierungsbereich haben wir ein Unternehmen das positive Cash-Flows generiert und damit nicht über Eigenkapitalfinanzierung einen Engpass derzeit sieht. Innerhalb der limitierten Innovationsausgaben, die wir uns selber gegeben haben, reicht das derzeit aus. Im Mitarbeiterrekrutierungs- und Kapazitätserweiterungsbereich haben wir eine sehr aggressive Wachstumsstrategie durch Akquisitionen aufgebaut, da organisches Wachsen in Deutschland, insbesondere in Hamburg, von der Geschwindigkeit her gar nicht möglich gewesen wäre. Insbesondere in den letzten 4 Jahren sind durch die Akquisitionen von z.B. einem Unternehmen in England, namens Euprotec und einer Kostenakquisition an einem Carve out aus Sanofi, ein Qualifikationsstab dazu gekommen, der uns in dem Drug Discovery Bereich wettbewerbsfähig macht.

Ute Nonnenmacher: Sie verfügen über eine langjährige Erfahrung im Management von Biotechnologie Unternehmen. Was sind aus Ihrer Sicht die besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften, die einen erfolgreichen Unternehmer/Manager in dieser Branche auszeichnen?

Dr. Werner Lanthaler: Ich glaube das Modewort dazu ist Resilienz. Aber ohne Modewörter ist es, für jemanden der wie ich keinen wissenschaftlichen Hintergrund hat, einfach ein Schlüssel-Erfolgsfaktor, dass sie sich mit einem wissenschaftlichen und operativen Team umgeben, dem sie vertrauen können. Langfristige Vertrauensbeziehungen innerhalb von Managementteams aufzubauen, um nicht nur durch positive Datenpunkte, sondern auch durch negative Datenpunkte als Team gemeinsam zu gehen. Das ist meiner Ansicht nach das A und O in dieser Industrie. Das zweite ist, langfristiges Investorenvertrauen zu gewinnen. Man muss Biotech- Equity-Stories nicht übertreiben oder untertreiben, man muss sie transparent und richtig seinen Investoren vermitteln, um langfristig die Schwierigkeit der Forschung zu synchronisieren auch mit seinen Investoren.

Ute Nonnenmacher: Das Thema vertrauensvolle Investorenbeziehungen ist ein Schwerpunkt des Investment Lab. Gibt es für Sie Faktoren wie Sie die vertrauensvolle Investorenzusammenarbeit messen?

Dr. Werner Lanthaler: Da gibt es mehrere Messpunkte. Eines ist Fristigkeit der Investorenbeziehungen, sprich wie lange ist wer im Unternehmen investiert. Das zweite ist Kontakthäufigkeit im Sinne von Synchronisation und das dritte ist in unserem Fall, was Investorenbeziehungen anbelangt, ein strukturierter Prozess auch Investorenverständnis aufzubauen, für das was wir inhaltlich tun und der funktioniert einfach nur langfristig.

Ute Nonnenmacher: Was sind aus Ihrer Sicht die großen Trends in der Biotechnologie – bezogen auf die kommenden 10 Jahre?

Dr. Werner Lanthaler: Es gibt den größten Trend derzeit im Sinne von Konvergenz, was Datengenerierung, Datenspeicher, Datenanalysen bis zu Drug Development anbelangt. Diese Konvergenz macht komplett neue Möglichkeiten innerhalb der Industrie auf. Der zweite Trend ist eine Neuorganisation der Wertschöpfungskette im Sinne von Experten orientierten Abschnitten, die innerhalb von Pharma und innerhalb von Biotech oder innerhalb von Outsourcingunternehmen sich etabliert. Das Aufbauen von Outsourcingbeziehungen, so wie in anderen Industrien auch innerhalb der Biotechindustrie. Der dritte Trend ist eine Verlagerung des Kapitalmarktes aus Europa in die USA, wo leider in den nächsten 10 Jahren der öffentliche Kapitalmarkt für Biotech eher als in Europa zu finden sein wird.

Ute Nonnenmacher: Als Evotec entwickeln Sie Wirkstoffe in enger Kooperation mit namhaften internationalen Pharmakonzernen. Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Erfolgsfaktoren für das Management dieser Forschungsallianzen?

Dr. Werner Lanthaler: Wir haben ein Scientific-Project-Management und wissenschaftliche Brücken von Know-How zwischen Pharma und Biotech und Pharma und CROs sowie bei uns. Das erfordert einfach exzellentes Allianzmanagement. Im Sinne von Erziehungsmanagement, um high-quality, high-power, high-output Teams innerhalb der höchsten Wissenschaftsbereichen, die es auf dieser Welt gibt, zu schaffen. Auch im eigenen Unternehmen. Wir nehmen eine führende Rolle, an dem was wissenschaftlich möglich ist, ein und sind im Austausch zwischen Pharma und Biotech damit die absolute Weltspitze in Gebieten, wo komplett neue Medikamente gesucht werden. Wir suchen nicht nach einer neuen Leuchte bei einem Auto oder einem neuen Lenksystem, das wären ja nur Modifikationen bei vorhandenen Sachen. Wir suchen in den meisten Bereichen komplett kausalverändernde neue Ansätze in der Medikamentenentwicklung. Da ist Erfolgsgeheimnis Nummer 1 – Vertrauensbeziehungen zwischen den Partnern – höchstes Aspirationsniveau im Erreichen von Zielen. Das dritte ist Akzeptieren von schwierigen Bereichen in denen man ist und auch das Akzeptieren von Scheitern, das Realisieren von Opportunitätskosten über schnelle Stopp-loss-Entscheidungen. Nur wenn sich unsere Projekte schnell ändern und wir schnell wieder die Ressourcen in neue Projekte geben, können wir einfach effizient Ressourcen einsetzen. Das sind die abstrakten Faktoren, die wir innerhalb der jeweiligen Projekte dann zielgerichtet einsetzen, um erfolgreich zu sein.

Ute Nonnenmacher: Wie arbeiten Sie als Evotec mit jungen Start-Up Unternehmen zusammen? Investieren Sie in diese Unternehmen – wenn ja, gibt es hierzu einen systematischen Prozess?

Dr. Werner Lanthaler: Ja, einerseits ist das unsere Kundenbasis. Wobei wir sehr viele Aufträge für junge Start-Up-Unternehmen machen, die einfach noch keine Struktur und noch keine „Wetlabs“ haben oder das auch gar nicht haben wollen. Andererseits kaufen, nutzen und lizenzieren wir sehr viele Technologien von Start-Up-Unternehmen ein, um diese einfach bestmöglich in Projekte einzusetzen.

Ute Nonnenmacher: Gibt es hierzu einen systematischen Prozess?

Dr. Werner Lanthaler: Systematisch ist der Prozess nur, wenn wir Sachen kaufen. Also gibt es einen systematischen Corporate-Development-Prozess im Sinne von: Wo ist ein Auslöser, dass wir Technologien nicht nur variabel nutzen, sondern sie permanent nutzen wollen und dann einfach Technologien dazu kaufen. Dazu gibt es einen permanenten Monitoring-Prozess.

Ute Nonnenmacher: Investieren Sie auch in diese Unternehmen oder stellen Sie lediglich Ihr Know-How und Ihre Prozesse zur Verfügung?

Dr. Werner Lanthaler: Wir haben auch mehrfach Equity Investments in Start-Up-Unternehmen gemacht und machen das auch weiter. Wir agieren da auch zum Teil wie ein Venture-Kapitalgeber.

Ute Nonnenmacher: Wann ist für Sie der bestmögliche Zeitpunkt in der Wertschöpfungskette, bis wann man an einem Biotechprodukt festhält, bis wann macht das für Sie Sinn?

Dr. Werner Lanthaler: Als Evotec haben wir, da wir im frühen Drug-Discovery-Bereich sind, zwei Wertpunkte. Das eine ist der sogenannte PDC (Pre-clinical development candidate) und das zweite ist der Punkt wo wir Proof of concept in der Klinik haben.
Den ersten erreichen wir alleine, den zweiten erreichen wir meistens nur in Partnerschaften.

Ute Nonnenmacher: Vielen herzlichen Dank, Herr Dr. Lanthaler, für das interessante Gespräch.

Copyright 2017
Datenschutzhinweis | Impressum | AGB